Erstellt von Edwin Hertlein | |   Kreisverband

Grüne und AbL im Dialog

In einem intensiven Gedankenaustausch erörterten Vertreter der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft und von Bündnis 90/Die Grünen das Thema Digitalisierung in der Landwirtschaft. Dabei vertrat der Grünen-Bundestagsabgeordnete und Obmann im Digitalausschuss des Deutschen Bundestages, Dieter Janecek, die Meinung, dass die Digitalisierung in der Landwirtschaft den ökologischen Fußabdruck deutlich verringern könne. Felder ließen sich über Satelliten und Drohnen in Echtzeit beobachten. So könnten kleinteilige Standortunterschiede bei der Bodenbeschaffenheit erkannt und bei Aussaat und Düngung berücksichtigt werden. Das könne zu einer deutlichen Verringerung von Pestizideinsatz und Düngung führen. Auch gebe es erste Roboter, die bei Reinkulturen wie Mais oder Zuckerrüben Kulturpflanzen von Unkraut unterscheiden und letzteres mechanisch entfernen könnten. Die Hersteller solcher Roboter versprächen, dass sich so der Pestizideinsatz um bis zu 90 Prozent reduzieren ließe. Nach Ansicht Janeceks mache es Sinn, zur Vermeidung finanzieller Risiken und zur neuer Abhängigkeiten in der Landwirtschaft die vermutlich sehr teure neue Technologie über die Maschinenringe anzuschaffen und dies auch staatlich zu fördern.

 

Für den Kreisvorsitzenden von Bündnis 90/Die Grünen im Berchtesgadener Land, Dr. Bernhard Zimmer, kommt es bei der eventuellen Einführung dieser neuen Technik auch darauf an, wer über die ungeheuren Datenmengen verfügen dürfe, die über diese neue Technologie entstehen dürften. Das Eigentumsrecht an diesen Daten müsse auf jeden Fall in der Hand der Bauern bleiben. Auch sehe er die Gefahr, dass durch die Einführung dieser neuen Technik die Energieeffizienz in der Landwirtschaft sinken könnte. Zudem mahnte Zimmer vor der Gefahr, dass Bauern nur mehr am Schreibtisch säßen und so die Bodenhaftung zu Feldern und Stall verlieren könnten.

 

Gertraud Gafus von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) zeigte sich äußerst skeptisch in Bezug des Einsatzes der Digitalisierung in der Landwirtschaft. In ihren Augen gebe es kaum etwa „analogeres“ als die bäuerliche Landwirtschaft. Sie befürchte, dass die Einführung der Digitalisierung in der Landwirtschaft zu einer Verschärfung des Bauernsterbens führen könne. Auch könne die Digitalisierung dazu führen, dass die Artenvielfalt in den Fluren weiter abnehme, weil eine weitere Automatisierung die Entwicklung weg von einer kleinteiligen Landwirtschaft zu immer größeren Schlägen vorantreiben könne. Auch bezweifle sie, dass diese Form der Landwirtschaft weltweit funktionieren könne. Aus ihrer Sicht sei aber nur nachhaltig, was weltweit funktioniere. Die Zahl der Menschen und der Hände, die Arbeit bräuchten, nehme täglich zu. Auch vor diesem Hintergrund mache es aus ihrer Sicht wenig Sinn, die Automation weiter voranzutreiben.

 

Zum Abschluss des Gespräches kündigte Dr. Zimmer an, dass der Grünen-Kreisverband sich auch im kommenden Jahr mit diesem Thema befassen werde.

 

 

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